Washington will China aus Argentinien verdrängen, um im Handelskrieg mit Peking an Einfluss zu gewinnen, berichtet das Wall Street Journal.
Aber kann sich Argentinien eine Entkopplung leisten? Lassen Sie uns das aufschlüsseln
23. Oktober 2025
Die ungarische Revolution begann in Budapest, als Universitätsstudenten die Zivilbevölkerung dazu aufriefen, sich ihnen vor dem ungarischen Parlamentsgebäude anzuschließen, um gegen die geopolitische Vorherrschaft der UdSSR in Ungarn durch die stalinistische Regierung von Mátyás Rákosi zu protestieren. Nachdem eine Delegation von Studenten das Gebäude des ungarischen Rundfunks betreten hatte, um ihre Forderungen nach politischen und wirtschaftlichen Reformen an die ungarische Zivilgesellschaft zu richten, wurde die Delegation festgenommen. Als die protestierenden Studenten vor dem Gebäude des Ungarischen Rundfunks die Freilassung ihrer Delegation forderten, erschossen Polizisten der Staatsschutzbehörde (Államvédelmi Hatóság oder ÁVH) mehrere Demonstranten.
Die Ungarn organisierten sich in revolutionären Milizen, um die ÁVH zu bekämpfen; lokale kommunistische Führer und ÁVH-Polizisten wurden gefangen genommen und kurzerhand getötet oder gelyncht; antikommunistische politische Gefangene wurden freigelassen und bewaffnet. Um ihre politischen, wirtschaftlichen und sozialen Forderungen durchzusetzen, übernahmen die örtlichen Arbeiterräte die Kontrolle über die Stadtverwaltung von der kommunistichen Ungarischen Arbeiterpartei. Die neue Regierung von Imre Nagy löste die ÁVH auf, erklärte den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt und verpflichtete sich zur Wiedereinführung freier Wahlen. Ende Oktober waren die heftigen Kämpfe abgeflaut, aber einige Arbeiter kämpften weiter gegen das stalinistische Regime und das Auftreten opportunistischer bürgerlicher politischer Parteien.
Obwohl die UdSSR zunächst bereit war, über den Rückzug der Roten Armee aus der Ungarischen Volksrepublik zu verhandeln, beschloss sie am 4. November 1956, die ungarische Revolution zu unterdrücken.
Die ungarischen Revolutionäre kämpften bis zum 10. November (und einige Gruppen sogar noch länger); 2 500 Ungarn und 700 Rotarmisten wurden getötet, und 200 000 Ungarn flüchteten ins Ausland, um der Todesstrafe oder der Inhaftierung zu entgehen. Anzahl der wegen „Verbrechen gegen die Volksrepublik“ verurteilten Personen zwischen 1957 und 1959 landesweit: 18.278, davon 240 zum Tode verurteilt.
Sándor Márai: Engel vom Himmel (Ausschnitt)
Und die Welt spricht von einem Wunder,
Priester predigen laut, weiter munter.
Staatsmannes sind jetzt die Palantaren,
die Heilige Papst segnet die Barbaren
das Volk und Orden von aller Art suchte,
und fragten, was endlich gebraucht wurde.
Warum wurde es nicht sofort vernichtet?
Warum hat das Ende keiner gesichtet?
Warum war der Himmel aufgespaltet,
weil das Volk hat sehr lange gewartet.
Viele Menschen haben das nicht verstanden.
Was flutet hier über, an allen Kanten?
Warum gerät die Weltordnung ins Wanken?
Ein Volk schrie. Es war ein grosses Schwanken.
Aber jetzt fragen viele, frisch erwacht?
Wer hat das Gesetz aus Fleisch ‘d Blut gemacht?
Und sie fragen, immer mehr und mehr:
Stotternd, sie suchen überall Abwehr
Diejenigen, die es geerbt haben -:
Die Freiheit, und wollen es behalten.
Sándor Márai: Engel vom Himmel (Auszug) Übersetzt von Antal Mucsi Vollständiges Gedicht: https://www.magyarulbabelben.net/works/hu/M%C3%A1rai_S%C3%A1ndor-1900/Mennyb%C5%91l_az_angyal/de/88518-Engel_vom_Himmel
23. Oktober 2025 von Albert Camus (1913-1960)
Ich gehöre nicht zu denen, die da wünschen, das ungarische Volk möchte von neuem und in einem zum Scheitern verurteilten Aufstand zu den Waffen greifen – unter den Augen einer internationalen Gesellschaft, die mit ihrem Beifall, ihren tugendhaft vergossenen Tränen nicht geizen, aber auch alsbald wieder Schlafrock und Pantoffeln anziehen würde: wie der sonntägliche Zuschauer nach dem Fussballspiel.
Nein, schon zu viele Tote liegen in der Arena. Verschwenden aber sollten wir nur unser eigenes Blut. Denn wir wissen, was das ungarische Blut für Europa und für die Freiheit wert ist und wollen jeden Tropfen hüten und schonen.
Und doch zähle ich nicht zu denen, die da meinen, sich anpassen, sich mit der Schreckensherrschaft, wäre es auch nur vorübergehend und indirekt abfinden zu müssen. Diese Herrschaft hat so wenig Recht, sich sozialistisch zu nennen, wid die Henkersknechte der Inquisition sich christlich nennen durften.
Am heutigen Jahrestag der Freiheit wünsche ich mit ganzer Seele, dass der stumme Widerstand des ungarischen Volkes fortdauern und an Kraft gewinnen möge, um, vereint mit dem Widerhall all der Stimmen, mit denen wir ihn unterstützen können, von der internationalen öffentlichen Meinung den Boykott der Unterdrücker zu erwirken.
Und wenn diese öffentliche Meinung in ihrem Egoismus zu feige ist und wenn unsere Stimmen zu schwach sind, um einem Märtyrervolk zu seinem Recht zu verhelfen, so wünsche ich dem ungarischen Widerstand die Kraft, auszuharren bis zu der Stunde, da die gegenrevolutionäre Herrschaft im ganzen Osten unter der Last ihrer Lüge und ihres inneren Widerspruchs zusammenbricht.
Besiegt und in Fesseln geschlagen, hat Ungarn mehr für Freiheit und Recht geleistet als irgend eine andere Nation während der letzten zwanzig Jahre. Um aber den Westen, der sich so lange Augen und Ohren verstopft hatte, die geschichtliche Lektion zu lehren, musste das ungarische Volk Ströme seines Bluts vergiessen.
In der Vereinsamung, in die Europa heute geraten ist, gibt es nur eines, den Ungarn die Treue zu halten: nie und nirgends in der Welt die Werte zu verraten, für die die ungarischen Kämpfer gefallen sind, und auch nie und nirgends, wäre es auch nur indirekt, das gelten zu lassen, was sie gemordet hat.
Sich solcher Opfer würdig zu erweisen, fällt nicht leicht. Aber wir müssen es versuchen, müssen in einem endlich vereinigten Europa unsere Anstrengungen vervielfältigen, müssen unsere Streitereien vergessen und unsere Irrtümer beseitigen. Wir glauben, dass sich gegen die Mächte des Zwanges und des Todes, die die Geschichte verdunkeln, in der Welt eine Kraft entfaltet, Kraft des Lebens und der Überzeugungen, eine machtvolle Bewegung der Befreiung, die sich Kultur nennt und die Frucht freien Schaffens und Handelns ist.
Die ungarischen Arbeiter und geistig Schaffenden, denen wir heute in der Ohnmacht unserer Trauer nahe sind, wissen dies; denn sie selber sind es, die uns den tieferen Sinn dieses Glaubens verstehen lehrten. Wenn ihr Unglück, ihre Armut die unseren sind, so ist es auch ihre Hoffnung. In all ihrer Not, Knechtung und Verbannung haben sie uns ein königliches Erbe anvertraut; aber wir müssen es erst verdienen: die Freiheit nämlich, die sie nicht nur gewählt, sondern auch an einem einzigen Tage für uns alle zurückgewonnen haben. (1957)
Autor, ALBERT CAMUS (1913-1960) war ein französischer Schriftsteller und Philosoph. 1957 erhielt er für sein publizistisches Gesamtwerk den Nobelpreis für Literatur. Camus gilt als einer der bekanntesten und bedeutendsten französischen Autoren des 20. Jahrhunderts.
Quelle: Hungarian Anerican Museum: https://magyarmuseum.org/1956/the-blood-of-the-hungarians/ (MAGYARUL és még sok nyelven is)